Umbau von Büros gegen Wohnraummangel?
Ein neues Bundesprogramm des Bauministeriums soll die Umwandlung leerstehender Büro- und Gewerbeflächen in Wohnraum fördern. Ab Juli 2026 stehen 300 Millionen Euro für das Programm „Gewerbe zu Wohnen“ bereit. Mit Hilfe des Programms soll neuer Wohnraum geschaffen, klimafreundliche Modernisierung ermöglicht und Leerstand bekämpft werden.
Einer Einschätzung des IFO-Instituts zufolge besteht ein Potenzial von bis zu 60.000 Wohnungen in Metropolen, die durch Umwandlung von Gewerbeflächen entstehen könnten. In Köln standen im Jahr 2025 insgesamt 451.714 Quadratmeter Bürofläche leer, trotz hohem Bedarf an Gewerbeflächen.
Die Kölner Verwaltung will auf die Umwandlung von Gewerbeimmobilien setzen, besonders im Fall veralteter oder dauerhaft schwer vermietbarer Bürogebäude. Das Ziel sei eine kluge, standortbezogene Steuerung, die Wohnraum ermöglicht, ohne die Zukunftsfähigkeit zu gefährden, besonders vor dem Hintergrund, dass es in Köln auch an Gewerbe- und Büroflächen mangele. Zentrale Lagen und hochwertige Bürostandorte seien zu schützen.
Vertretende der Wohnungswirtschaft sehen die Maßnahme kritisch. Eine Nutzungsumwandlung rechne sich häufig wirtschaftlich nicht und sei oft schwer umzusetzen, beispielsweise aufgrund der Gebäudetiefe oder der Belichtung, so Stefan Rappen, Vorsitzender der Wohnungsbau Initiative Köln (WIK). Dadurch würden sich die umgewandelten Wohnungen ohnehin im höheren Preissegment befinden und somit keinen großen Beitrag zur Bekämpfung des Mangels an bezahlbarem Wohnraum leisten. Trotz Förderung sei ein Abriss und Neubau oft wirtschaftlicher.
Für eine Nutzungsänderung wird eine Genehmigung benötigt, für diese bedarf es zahlreicher Nachweise etwa bezüglich des Brand- und Schallschutzes, der Belichtung oder der Stellplätze. Oft ist eine Wohnnutzung planungsrechtlich nicht gestattet. Die Umwandlung von Gewerbeflächen gestaltet sich also auch mit Fördermitteln schwierig.
„Mit Blick auf die öffentliche Haushaltslage halte ich es für besser, Regeln und Anforderungen zu vereinfachen, die Mehrkosten verursachen – anstatt diese durch Subventionen wieder auszugleichen“, so Christian Oberst, Experte für Wohnungspolitik am Institut für Wirtschaft in Köln.
[„Hilft Umbau von Büros gegen Wohnungsnot?“; Julia Hahn-Klose, Kölner Stadtanzeiger; 04.04.2026]



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