Wärmewende: Die Wärmeversorgung von morgen braucht Pläne, die heute funktionieren
Es ist Zeit für die Wärmewende. Dass Kommunen dazu verpflichtet sind, ist beschlossene Sache – Trotzdem hakt es in der Praxis, an der Planung wie an der Umsetzung. Die Immobilienzeitung berichtet.
Die Planung der Wärmeversorgung ist kommunale Aufgabe. Diese zu transformieren, ist eine große Herausforderung, besonders, da es vielen Kommunen an Personal, Kompetenzen und finanziellen Mitteln fehlt. Im Heizungs- und Klimatechnikbereich fehlen bundesweit etwa 12.000 Fachkräfte. Der Investitionsbedarf liegt bei 170 bis 270 Milliarden Euro bei einer Sanierungsquote von zwei Prozent bis 2030, so die Unternehmensberatung McKinsey, die halbjährlich den Stand der Umsetzung der Energiewende in Deutschland erhebt.
Auch in der privaten Bauwirtschaft sind die Mittel begrenzt und Sanierungsvorhaben scheitern häufig an mangelnder Wirtschaftlichkeit. Die Sanierungsquote liegt in Deutschland durchschnittlich bei 0,8 Prozent. Um die Wärmewende wie geplant umsetzen zu können, bräuchte es folglich eine immense Beschleunigung der Anstrengungen.
Wichtig für Kommunen bei der Wärmeplanung ist die Kooperation mit Stadtwerken und der Immobilienwirtschaft. Auch Experten sind einzubinden; Kommunen benötigen umfangreiche Unterstützung. Denn ohne eine gründliche, qualitative Planung und kontinuierliches Engagement bleibt die Wärmewende auf der Strecke.
Eine wichtige Rolle in der Wärmeversorgung der Zukunft könnten Wärmenetze spielen. Ob diese für eine Kommune sinnvoll sind, ist abhängig von verschiedenen Faktoren, so Sven Killiger, Geschäftsführer von Greenventory. Das Unternehmen hat bereits für zahlreiche Kommunen Wärmeplanungen aufgesetzt. Damit ein Wärmenetz passt, muss die entsprechende Nachfrage vorhanden sein, die Anschlussquote muss stimmen und es sollten möglichst günstige Wärmequellen verfügbar sein. Auch die Tiefbaukosten sind relevant.
Zentral ist darüber hinaus eine enge Zusammenarbeit mit Wohnungsgesellschaften. Ein gutes Vorbild die Stadt Bochum, die Deutschlands größte Vermieterin Vonovia intensiv in die kommunale Wärmeplanung einbindet. Vonovia setzt auf Fernwärme und darauf, klimaneutrale Quellen für Wärmenetze zu finden. Die Stadt Bochum ist diesbezüglich auf einem guten Weg. Das neue Quartier Mark 51°7 soll beispielsweise mit Hilfe des vor Ort verfügbaren Grubenwassers versorgt werden; eine Möglichkeit, die überbleibenden Strukturen des Kohlebergbaus zukunftsangepasst zu nutzen. An einem Klärwerk plant die Stadt Bochum eine Großwärmepumpe, die potenziell ab 2030 die Wärmeversorgung für bis zu 12.000 Haushalte sicherstellen könnte.
Standorte, an denen Wärmenetze nicht sinnvoll sind, können mit Wärmepumpen-Cubes ausgestattet werden. Dabei handelt es sich um „kompakte Heizungsanlagen“ in Container-Form, die bis zu 40 Wohnungen mit Wärme versorgen können. Der benötigte Strom wird im besten Fall direkt auf den Häuserdächern erzeugt.
Der Stromnetzausbau stellt eine weitere Hürde der Wärmewende dar. Vonovia scheiterte 2023 an einer Großinstallation von 6.000 Wärmepumpen, da die benötigte Stromversorgung nicht bereitgestellt werden konnte. Greenventory bietet zusätzlich zur Wärmeplanung eine Stromnetzplanung für Kommunen an, welche auch zukunftsrelevante Maßnahmen wie Wärmepumpen, Photovoltaik oder E-Ladesäulen miteinbezieht.
All die Hürden und Grenzen, an welche die Wärmewende in Kommunen wiederholt stößt, gilt es, mitzuplanen und vorauszusehen. Es braucht gute Partner, gründliche Pläne und fortlaufendes Engagement, damit auch in der Praxis die Transformation der Energieversorgung gelingen kann.
[Robin Lorenz-Göckes (Immobilienzeitung); 08.01.2026; „Wann zündet die Wärmewende?“]



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