Infrastruktur ausbauen, Wohnungsnot stoppen?

Unbezahlbare Mieten in den Städten und Hunderttausende leerstehende Wohnungen im Umland – Deutschland habe kein Wohnungsproblem, sondern ein Infrastrukturproblem, sagt Immobilienexperte Andreas Schmidt im Interview mit dem Kölner Stadtanzeiger. „Wir haben Orte mit viel Infrastruktur, für die es keine Menschen mehr gibt, und Menschen an anderen Orten, für die es keine Infrastruktur gibt“, kommentiert er mit Blick auf steigende Mietpreise in Innenstädten.

Im Umkreis von Großstädten stehen häufig zahlreiche Wohnungen leer. Diesen Bestand zu nutzen, sei sinnvoller, als in Innenstädten weiter zu bauen. Zentral sei dabei, die Infrastruktur auszubauen: Oft fehle vor allem eine Bahnanbindung. „Stellen Sie sich vor, ich käme per Schnellstrecke von Magdeburg in 40 Minuten nach Berlin. […] Wer heute keine Wohnung in Berlin findet, könnte nach Magdeburg ziehen. Was meinen Sie, wie das den Wohnungsmarkt entspannen könnte? Eine schnelle, eng getaktete Verbindung wirkt stärker als jedes Förderprogramm.“

Schmidt schlägt vor, mit einem umfangreichen Sondervermögen Bestandswohnungen zu erwerben, die Käufer in Raten abbezahlen können. Der Vorteil: Nach ein paar Jahrzehnten wäre die Wohnung abbezahlt, mit der Rente müsste dann keine Miete finanziert werden. Des Weiteren plädiert er dafür, moderne Wohnangebote für ältere Menschen auszubauen und so den Anreiz zu erhöhen, Einfamilienhäuser jungen Familien zu überlassen. Die Wohnungskrise sei nicht hauptsächlich durch Bauen zu lösen.

Andreas Schmidt ist Geschäftsführer der Aventiqs GmbH und seit über 35 Jahren in der Wohnungswirtschaft tätig. Vor kurzem erschien sein Buch mit dem Titel „Die Wohnungsnotlüge“.

[„Köln ist ein Lehrstück für den Irrsinn“; Interview mit Andreas Schmidt, geführt von Claudia Lehnen, Kölner Stadtanzeiger; 23.10.2026]