Der neue Kölner Bauturbo: Chancen und Grenzen

Am 19. März hat der Kölner Stadtrat über die Anwendung des Bauturbo in Köln entschieden. Ziel des Bauturbo ist es, durch Bürokratieabbau und schneller erteilte Baugenehmigungen mehr Wohnungsbau zu ermöglichen. Das Ziel von 6.000 neuen Wohnungen im Jahr ist in Köln noch lange nicht erreicht – 2024 wurden nur 1.819 Wohnungen neu gebaut. Währenddessen wächst die Stadt jedes Jahr weiter. Neuer, bezahlbarer Wohnraum wird dringend benötigt. Aktuell dauert es in Köln im Durchschnitt drei bis vier Jahre, einen Bebauungsplan zu erstellen. Der Bauturbo ermöglicht eine Genehmigung nach drei Monaten für geeignete Projekte.

Der Stadtrat hat sich in Form von „Leitlinien zum Bauturbo“ geeinigt, wie die Regelung in Köln umgesetzt werden soll. Die betreffenden Bauprojekte müssen mit grundsätzlichen Entwicklungszielen der Stadt wie beispielsweise dem Masterplan Stadtgrün, dem Kooperativen Baulandmodell oder den Klimaschutzleitlinien übereinstimmen. Darüber hinaus muss es sich um eine Fläche handeln, die im Flächennutzungsplan für Wohnen oder Mischnutzung ausgewiesen ist.

Mit diesem Beschluss überträgt der Rat die Verantwortung an die Verwaltung. Deshalb stößt der Kölner Bauturbo auf viel Kritik. Da, „wo es wirklich drauf ankommt“, werde die Politik jedoch weiter eingebunden, so Ratsmitglied Pascal Pütz (SPD). „Wir stellen sicher, dass kein Freifahrtschein für Luxusinvestoren ausgestellt wird“. Bei Anträgen für Projekte, die mehr als 75 Wohnungen umfassen, müssen der Rat, der Stadtentwicklungsausschuss und die Bezirksvertretungen informiert werden und haben die Möglichkeit, einzugreifen.

Des Weiteren wird kritisiert, dass der Bauturbo nur den Genehmigungsprozess beschleunigt; Am Bauprozess ändert sich nichts. Bei einem Bauüberhang von etwa 10.000 genehmigten Wohnungen in Köln kommen Fragen nach weiteren Maßnahmen auf. Immobilienexperte Michael Voigtländer vom Institut der Deutschen Wirtschaft nennt die Kosten als wesentlichste Herausforderung im eigentlichen Bauprozess. Um die Baukosten zu senken, stimmte der Stadtrat bereits im Dezember dafür, externe Berater zu beauftragen. Die Analyse „Köln baut bezahlbar“ dürfte im Sommer Ergebnisse liefern.

Trotz aller Kritik trifft der Bauturbo vielerorts auf Unterstützung. „Er ist kein Allheilmittel, aber ein wichtiges Instrument, um endlich schneller zu werden“, sagt zum Beispiel Ratsmitglied Ira Sommer von der CDU.

[„Die Chancen des Bauturbos für Köln“; Julia Hahn-Klose, Kölner Stadtanzeiger; 21.03.2026]